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Zwei große Projekte – eine Region, die Zukunft gestalten will

EXPO 2035 und Olympische und Paralympische Spiele: Der UVBB unterstützt beide Initiativen, weil wir in ihnen Chancen für die gesamte Metropolregion Berlin-Brandenburg sehen.

Auf den ersten Blick könnten die beiden Vorhaben kaum unterschiedlicher sein. Auf den zweiten Blick haben sie viel gemeinsam: Beide können weit über das eigentliche Ereignis hinauswirken. Beide können Investitionen und Infrastrukturprojekte beschleunigen, internationale Aufmerksamkeit auf unsere Region lenken und Impulse für Innovation, Wirtschaft und Stadtentwicklung geben. Und beide stellen letztlich dieselbe Frage: Welchen Anspruch haben Berlin und Brandenburg an ihre gemeinsame Zukunft?

Für den UVBB ist dabei entscheidend, die Region als Ganzes zu betrachten. Wirtschaft, Arbeitsmärkte, Verkehr, Fachkräfte und Unternehmensstandorte enden nicht an der Berliner Stadtgrenze. Deshalb verstehen wir sowohl die EXPO 2035 als auch eine mögliche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele als Projekte, deren Chancen und Auswirkungen Berlin und Brandenburg gemeinsam betreffen.

Unsere Unterstützung ist dabei kein Blankoscheck. Großprojekte müssen wirtschaftlich verantwortbar sein, einen nachhaltigen Nutzen schaffen und die regionale Wirtschaft – insbesondere den Mittelstand – frühzeitig einbeziehen. Genau deshalb wollen wir als Unternehmerverband nicht nur unterstützen, sondern informieren, Fragen stellen und den Dialog mitgestalten.

Unsere Unterstützung einer möglichen Olympiabewerbung haben wir daher mit der Bitte um ein Gespräch mit Kaweh Niroomand verbunden. Wir wollten von ihm wissen: Was kann Olympia konkret für den Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg bedeuten? Welche Investitionen könnten beschleunigt werden? Wie wird Brandenburg einbezogen? Welche Rolle kann der Mittelstand spielen? Und nicht zuletzt: Stehen EXPO 2035 und Olympia miteinander in Konkurrenz – oder können sie Teil einer gemeinsamen Zukunftsagenda für unsere Region sein?

Seine Antworten veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut.


UVBB im Gespräch mit Kaweh Niroomand

UVBB: Was bedeutet das Zukunftsprojekt konkret für den Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg und den Mittelstand?

Kaweh Niroomand:
Wir sagen ganz bewusst: Olympische und Paralympische Spiele sind kein Projekt für ein paar Wochen im Sommer. Wenn wir es richtig machen, geben sie Berlin und der gesamten Region einen Schub, der über viele Jahre wirkt. Es geht um Investitionen in Infrastruktur, Mobilität, Sportstätten und Stadtentwicklung, aber auch um Digitalisierung, Tourismus und Dienstleistungen. Und natürlich muss davon gerade die regionale Wirtschaft profitieren.

Dabei denke ich nicht nur an die großen Unternehmen. Berlin und Brandenburg leben von einem starken Mittelstand, von Handwerksbetrieben, Dienstleistern, Start-ups, Hotellerie und Gastronomie und vielen spezialisierten Unternehmen. Wir haben unglaublich viel Know-how in der Region. Wenn es uns gelingt, diese Kompetenz zu nutzen und gleichzeitig Dinge schneller voranzubringen, die wir ohnehin brauchen, dann entsteht ein Mehrwert, der weit über die Spiele hinausgeht.

Genau deshalb verstehen wir BERLIN+ als Zukunftsprojekt: Wir wollen nicht für die Spiele bauen und investieren, sondern mit Olympischen und Paralympischen Spiele für die Zukunft unserer Region.

UVBB: Welche Investitionen könnten beschleunigt werden – und wie profitiert Brandenburg?

Kaweh Niroomand:
Der entscheidende Punkt ist: Wir erfinden nicht plötzlich Projekte, nur weil Olympia kommt. Wir schauen uns an, was Berlin und die Region in den kommenden Jahren ohnehin brauchen, und fragen: Wo können die Spiele helfen, Entwicklungen schneller und verlässlicher umzusetzen?

Das betrifft zum Beispiel moderne und barrierefreie Sportstätten, den öffentlichen Nahverkehr, Rad- und Verkehrswege oder die Entwicklung neuer Stadtquartiere. Das Olympische und Paralympische Dorf ist dafür ein gutes Beispiel. Am Stadteingang West soll unabhängig von Olympia ein neues Quartier entstehen. Die Spiele können dafür sorgen, dass eine solche Entwicklung zusätzliche Dynamik bekommt.

Und BERLIN+ endet ganz bewusst nicht an der Berliner Stadtgrenze. Brandenburg ist Partner unserer Bewerbung und Austragungsort von Wettbewerben. Wir müssen deshalb auch bei Mobilität und Infrastruktur regional denken. Bessere Verbindungen zwischen Berlin und Brandenburg helfen während der Spiele – vor allem aber bleiben sie danach. Unser Anspruch ist, dass nicht Berlin die Spiele bekommt und Brandenburg ein bisschen mitmacht. Wir wollen dieses Projekt gemeinsam entwickeln und gemeinsam davon profitieren.

UVBB: Wie verhindern Sie ein finanzielles Großprojekt mit kurzfristigem Effekt?

Kaweh Niroomand:
Indem wir von Anfang an vom Ende her denken. Wir fragen bei jeder Investition: Was bleibt davon nach den Spielen? Wer nutzt es dann? Und hätten Stadt und Region auch langfristig etwas davon?

Deshalb setzen wir ganz überwiegend auf bestehende oder temporäre Sportstätten und auf Investitionen, die auch nach Olympia gebraucht werden. Wir wollen keine überdimensionierten Projekte, für die nach den Spielen niemand mehr eine Verwendung hat.

Unser Anspruch sind Spiele, die zu Berlin passen und die finanzierbar und verantwortungsvoll organisiert werden.

Und woran würde ich zehn Jahre später messen, ob es sich gelohnt hat? Nicht daran, ob wir uns noch an einen tollen 100-Meter-Lauf erinnern – obwohl ich hoffe, dass wir auch davon einige erleben. Entscheidend ist: Haben wir bessere Sportstätten? Funktioniert unsere Infrastruktur besser? Haben wir mehr barrierefreie Angebote? Haben Kinder und Jugendliche bessere Möglichkeiten, Sport zu treiben? Ist neuer Wohnraum entstanden? Haben Unternehmen und Arbeitsplätze in der Region profitiert?

Wenn wir zehn Jahre später auf eine bessere Stadt und eine stärkere Region schauen, dann haben wir es richtig gemacht.

UVBB: Wie kann der Mittelstand frühzeitig einbezogen werden?

Kaweh Niroomand:
Genau das ist mir wichtig: Die Wirtschaft darf nicht erst ins Spiel kommen, wenn irgendwann eine fertige Ausschreibung verschickt wird. Dann verschenken wir einen großen Teil dessen, was Unternehmen zu diesem Projekt beitragen können.

Wir brauchen die Unternehmen schon vorher mit ihrer Erfahrung und ihren Ideen. Wer jeden Tag baut, Veranstaltungen organisiert, Menschen transportiert, Energie bereitstellt oder digitale Lösungen entwickelt, weiß sehr genau, was in der Praxis funktioniert – und häufig auch, was nicht funktioniert.

Deshalb wünsche ich mir einen kontinuierlichen Austausch mit der regionalen Wirtschaft. Wo liegen innovative Lösungen? Wo können wir nachhaltiger werden? Was können Unternehmen aus Berlin und Brandenburg besonders gut? Und welche Rahmenbedingungen brauchen sie?

Olympische und Paralympische Spiele sind ein riesiges Gemeinschaftsprojekt. Es wäre falsch, die Wirtschaft dabei nur als Auftragnehmer zu sehen. Wir sollten sie auch als Ideengeber und Partner verstehen.

UVBB: Was wünschen Sie sich konkret von den Mitgliedern des UVBB?

Kaweh Niroomand:
Einbringen, mitdenken, kritisch nachfragen – und natürlich gerne auch unterstützen. Wir brauchen nicht 100 Unternehmen, die uns erzählen, dass alles großartig ist. Wir brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer, die sagen: An dieser Stelle haben wir eine gute Idee. Das können wir besser machen. Hier gibt es eine Technologie oder eine Lösung, die ihr euch anschauen solltet.

Und natürlich hilft uns auch die sichtbare Unterstützung. Gerade in dieser Phase der Bewerbung ist es wichtig zu zeigen, dass Olympische und Paralympische Spiele nicht allein ein Wunsch von Politik und Sport sind. Unternehmen, Vereine, Verbände und viele andere Akteure prägen diese Region jeden Tag. Wenn sie sagen: Wir sehen in diesem Projekt eine Chance für Berlin und Brandenburg, dann hat das Gewicht.

Mein Wunsch an die Mitglieder des UVBB ist deshalb ganz einfach: Machen Sie dieses Projekt auch zu Ihrem Projekt. Bringen Sie Ihre Ideen, Ihre Netzwerke und Ihre Erfahrung ein.

UVBB: EXPO 2035 und Olympia – Konkurrenz oder gemeinsame Zukunftsagenda?

Kaweh Niroomand:
Ich glaube, wir sollten aufpassen, dass wir uns in Berlin und Brandenburg nicht selbst kleiner machen, als wir sind. Eine internationale Metropolregion muss den Anspruch haben dürfen, große Projekte zu denken.

Natürlich muss jedes Vorhaben für sich überzeugen, finanzierbar sein und einen nachhaltigen Nutzen haben. Aber viele der Fragen sind doch dieselben: Wie wollen wir uns international präsentieren? Wie entwickeln wir unsere Infrastruktur? Wie verbessern wir Mobilität zwischen Berlin und Brandenburg? Wie schaffen wir nachhaltige Stadtentwicklung? Wie fördern wir Innovation und machen die Region für Unternehmen und Fachkräfte attraktiver?

Deshalb würde ich EXPO und Olympische und Paralympische Spiele nicht reflexartig gegeneinanderstellen. Ich würde zunächst fragen: Wo verfolgen wir gemeinsame Ziele, und wo können sich Entwicklungen sinnvoll ergänzen?

Wir haben in Berlin und Brandenburg enormes Potenzial. Manchmal fehlt uns vielleicht ein bisschen der Mut, dieses Potenzial auch wirklich auszuspielen. Große Projekte können einen Zeitplan schaffen, Kräfte bündeln und Entscheidungen beschleunigen. Genau darin sehe ich die Chance.

Es geht am Ende nicht darum, zwei Großveranstaltungen zu organisieren. Es geht darum, gemeinsam eine Vorstellung davon zu entwickeln, wo Berlin und Brandenburg in zehn oder zwanzig Jahren stehen wollen. Olympia kann dafür ein sehr starker Motor sein.

Adalbert Kurkowski
Vizepräsident – Verbandsbezirk Berlin
Unternehmerverband Brandenburg – Berlin e.V.
E-Mail
Telefon mobil: 01605922405

Foto: Copyright EXPO 2035 Berlin GmbH

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