Rund 170 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutierten am 8. September 2026 im Kongresshotel Potsdam über die Zukunft des ostdeutschen Mittelstands. Unter dem Leitthema „Plurale Transformation – Herausforderungen und Chancen für den Mittelstand“ standen wirtschaftliche Rahmenbedingungen, neue Technologien und Investitionen im Mittelpunkt.
Wie kann Ostdeutschland seine wirtschaftlichen Potenziale besser nutzen? Diese Frage prägte den 8. Ostdeutschen Unternehmertag der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlin. Die Transformation eröffnet Chancen, doch hohe Kosten, Bürokratie und fehlende Planungssicherheit erschweren vielen Unternehmen notwendige Investitionen.
Ein besserer Staat als Standortfaktor
Nach der Begrüßung durch Dr. Burkhardt Greiff, Sprecher der Interessengemeinschaft, richtete Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement ein Grußwort an die Gäste. Prof. Dr. Alexander S. Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sprach unter dem Titel „Nicht weniger Staat, sondern besserer Staat: Verwaltungsqualität als Standortpolitik!“ über leistungsfähige Verwaltungsstrukturen.
Für den Mittelstand sind verlässliche Genehmigungen, klare Zuständigkeiten und planbare Rahmenbedingungen entscheidend. Wirtschaftliche Entwicklung hängt nicht allein von Förderprogrammen ab, sondern ebenso von funktionierenden Verwaltungsprozessen und politischen Entscheidungen, die unternehmerische Initiative ermöglichen.
Fachforen: Bauen, Finanzierung und Arbeit
Die Fachforen beleuchteten konkrete Herausforderungen. Im Forum Bauen diskutierten Vertreter von Zappe Architekten, Sonocrete, der rohrgroup und Green City Solutions über innovative Lösungen und nachhaltige Bauweisen. Das Finanzforum widmete sich der Finanzierung von Modernisierung, Digitalisierung und neuen Geschäftsmodellen.
Das Arbeitsforum fragte unter dem Titel „Alles nur noch KI … und wo bleibt der Mensch?“ danach, wie Unternehmen Künstliche Intelligenz nutzen und wettbewerbsfähig bleiben können, ohne die Qualifizierung ihrer Beschäftigten aus dem Blick zu verlieren.
Unternehmerbefragung: Ostdeutschland hat ein Umsetzungsproblem
Einen zentralen Impuls setzte die Vorstellung der Unternehmerbefragung 2026 „Ostdeutschland – Deutschlands Chance für Europas Aufbruch“. Die gemeinsam mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung erarbeitete Studie bündelt die Erfahrungen von 138 Unternehmerinnen, Unternehmern und Führungskräften aus Ostdeutschland und Berlin.
Ihre zentrale Botschaft: Ostdeutschland hat kein Potenzialproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Unternehmen sehen Chancen für Wachstum, Innovation und Investitionen. Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungsverfahren, Finanzierungsprobleme und Infrastrukturdefizite verhindern jedoch häufig, dass aus Ideen konkrete Vorhaben werden.
Die Studie fordert, Ostdeutschland stärker als Realisierungsraum zu verstehen. Statt immer neue Programme aufzulegen, müssen Hindernisse gezielt abgebaut und Vorhaben schneller umgesetzt werden. Ein Vorschlag ist der 100-Tage-Wachstumstest: Unternehmen benennen konkrete Investitions- und Innovationsprojekte, deren Umsetzung an politischen oder administrativen Hürden scheitert. Gemeinsam mit den zuständigen Stellen sollen Hindernisse identifiziert und innerhalb von 100 Tagen Fortschritte erreicht werden.
Die Studie wurde an Elisabeth Kaiser, Staatsministerin im Bundesministerium der Finanzen und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, übergeben. Die Botschaft an die Bundespolitik: Aus wirtschaftlichem Potenzial müssen tatsächliche Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen.
Premiere für den ostwärts-Preis
Ein Höhepunkt war die erstmalige Verleihung des ostwärts-Preises. Die Auszeichnung würdigt Unternehmen und Projekte, die mit Innovationskraft und unternehmerischem Mut die Zukunft Ostdeutschlands gestalten.
Die rohrgroup GmbH wurde für ihre innovative Arbeit im Bereich der Bestandssanierung ausgezeichnet. Die intervista AG erhielt den Preis für ihr KI-Projekt. Die EXPO 2035 GmbH wurde für ihr Engagement für eine gemeinsame Bewerbung Berlins und Brandenburgs um die Ausrichtung einer EXPO 2035 geehrt.
Die ausgezeichneten Projekte stehen für die Vielfalt unternehmerischer Ideen in der Region – von innovativen Lösungen und neuen Technologien bis hin zu Impulsen für die langfristige Entwicklung des Wirtschaftsstandorts. Der ostwärts-Preis macht diese Leistungen sichtbar und würdigt die Gestaltungsbereitschaft ostdeutscher Unternehmen.
Transformation braucht Zusammenarbeit
Im abschließenden Panel diskutierten Vertreter aus Bundespolitik, Wirtschaft, Wissenschaft und Regionalentwicklung über die Zukunft des Standorts. Beteiligt waren unter anderem Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Holger Friedrich von der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, Prof. Dr. Joachim Ragnitz vom ifo Institut sowie Vertreter der Wirtschaftsregion Lausitz und der Wirtschaftsförderung Brandenburg.
Im Mittelpunkt standen bessere Rahmenbedingungen, schnellere Investitionen und neue Wertschöpfung. Die Diskussion führte die Themen des Tages zusammen: Die Transformation gelingt nur, wenn Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Verwaltung konkrete Hindernisse gemeinsam beseitigen. Die Unternehmerbefragung liefert dafür Impulse; der 100-Tage-Wachstumstest zeigt einen möglichen Weg, Forderungen in praktische Schritte zu übersetzen.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Der 8. Ostdeutsche Unternehmertag stellte die Chancen und Herausforderungen des Mittelstands in den Mittelpunkt. Ostdeutschland verfügt über innovative Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Regionen mit Entwicklungspotenzial. Damit daraus nachhaltiges Wachstum entsteht, müssen Ideen schneller umgesetzt und Investitionen erleichtert werden.
Die Veranstalter danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Referentinnen und Referenten, Partnern und Unterstützern für den intensiven Austausch. Der Ostdeutsche Unternehmertag bringt Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammen, um die Potenziale Ostdeutschlands sichtbar zu machen und die Transformation des Mittelstands voranzubringen.
Weitere Berichte / Informationen:
– Offener Brief an die Bundesregierung
– PM: Vor den Wahlen im Osten
– PM: 100 Tage Wachstumstest
– PM: Erfolgreiche Transformation
– Schreiben der IG zum ZIM Antragsstopp
Text: Martin Metzen, comprend GmbH
Foto: Jürgen Sendel

